Welchen Vorteil hat das Walzenrichten gegenüber anderen Verfahren?

Das Walzenrichten ist im Vergleich zu anderen Methoden ein einfaches und schnelles Verfahren, um ebene Teile, Bleche oder Bänder mit hoher Genauigkeit zu erhalten. War früher, zum Beispiel das Handrichten nur den erfahrenen und meist dienstältesten Mitarbeitern vorbehalten, so kann das Richten von Blechteilen mit Walzenrichtmaschinen schnell und einfach von jedermann erlernt werden.

 

Warum sollte nach dem Lasern, Plasmaschneiden oder Stanzen gerichtet werden?

Durch das Schneiden mittels thermischer Fertigungsverfahren wie Lasern, Autogen- und Plasma-schneiden wird am Schneidstrahl sehr viel Wärme in das Material eingebracht. Dadurch entstehen ein enormes Temperaturgefälle im Werkstoff und somit Spannungen und Aushärtungen an den Rändern. Dies führt dazu, dass die Teile/Bleche nach dem Schneiden Verzug aufweisen. Beim Stanzen wird das Teil zum einen durch den Stanzvorgang verformt. Weiterhin werden vorhandene innere Spannungen im Material freigesetzt.

 

Lassen sich alle Materialien richten?

Richtbar sind in der Regel alle Metalle mit einer Bruchdehnung von mindestens fünf Prozent und einer ausgeprägten Streckgrenze. Sind diese Werte nicht bekannt, kann man die Richteignung durch Richtversuche ermitteln. Als Faustregel gilt: Was biegbar ist, ist auch richtbar.

 

Lassen sich gehärtete Materialien auch richten?

Ja und nein. Besitzt das Material nach dem Härteprozess eine Bruchdehnung, so kann man davon ausgehen, dass es in gewissem Maße richtbar ist. Es sind allerdings hohe Kräfte in Verbindung mit kleinen Walzendurchmessern notwendig, um solche Werkstücke zu verformen. Hat das Material aber keine Bruchdehnung, besteht die Gefahr der Rissbildung oder sogar eines Bruchs. Ob man Richten kann und mit welchem Ergebnis zu rechnen ist, können nur Richtversuche zeigen.

 

Verändern sich beim Richten die Eigenschaften des Materials?

Die Praxis zeigt, dass sich bei Eisenmetallen im Normalfall keine Änderungen der mechanischen Eigenschaften wie Streckgrenze oder Abmaße ergeben. Anders bei Edelstählen, die nach mehrmaligem Richten die Tendenz zeigen sich zu verhärten. Bei NE-Metallen ist dies nicht unbedingt gegeben. Gerade bei weichen Metallen wie Aluminium und Magnesium besteht aber die Gefahr des Materialabriebes oder der Reduzierung der Streckgrenze.

 

Was muss außer den Werten für den Ein- und Auslauf an den Richtmaschinen noch eingestellt werden?

Im Prinzip nichts, denn moderne Richtmaschinen arbeiten mit Blockzustellung. Die Richtwalzen sind im oberen und unteren Walzenstuhl zusammengefasst und müssen nicht mehr mühsam einzeln zugestellt werden. Der Bediener muss nur noch Werte für den Einlauf und den Auslauf der Maschine einstellen. Eine Ausnahme bilden Hochleistungsrichtmaschinen, bei denen noch die Durchbiegung der Richtwalzen eingestellt werden kann.

 

Wie finde ich die richtigen Einstellwerte?

Der wichtigste Parameter für die Einstellung ist die Blechdicke des Richtgutes. Richtet man beispielsweise eine Stahlplatte von 30 mm Dicke, so muss der Einlaufwert kleiner als 30 mm sein und der Auslaufwert ungefähr der Blechdicke entsprechen. Dies ist allerdings nur eine Faustregel. Als Hilfestellung für den Anwender sind moderne Maschinen mit Vorschlagswesen und Wertespeicher ausgestattet, welches dem Bediener spezifische Einstellwerte empfiehlt und die Möglichkeit gibt neue Werte hinzuzufügen.

 

Worauf sollte ein Blechbearbeiter generell beim Kauf einer Richtmaschine achten?

Die Auslegung der Maschine ist abhängig von den Werkstoffen, die zu richten sind. Zu den ausschlaggebenden Parametern einer Richtmaschine gehören der Durchmesser, die Teilung und die Anzahl der Richtwalzen. Als Faustformel lässt sich sagen: Je kleiner die Teilung und der Richtwalzendurchmesser, desto besser ist das Ergebnis. Ganz entscheidend ist dabei die ausreichende Abstützung der Richtwalzen gegen Durchbiegung. Um in der täglichen Produktion zu bestehen, sollte die Richtmaschine zudem mit einem Richtwalzenschnellwechsel ausgestattet sein. Dadurch werden ein einfacher Wechsel der Richtwalzen und die gründliche Reinigung des Richtaggregates ermöglicht. Befinden sich Schmutz oder Materialrückstände in der Maschine, kann das nicht nur die Richtergebnisse verschlechtern, sondern auch die Richtmaschine beschädigen.

 

Hat die Anzahl der Richtwalzen mit der Qualität des Ergebnisses zu tun?

Das zu richtende Material wird in der Maschine mechanischen Wechselbiegungen unterzogen. Die Stärke der Wechselbiegungen wird zum Austritt der Maschine reduziert. Mit steigender Anzahl der Richtwalzen erhöht sich die Anzahl der Wechselbiegungen. Generell gilt: Je mehr Wechselbiegungen, desto besser das Richtergebnis. Um überhaupt einen Effekt zu erzeugen, sind dabei mindestens fünf Walzen erforderlich. Damit erreicht man jedoch nur eine grobe Planheit. Für dünneres Material braucht man tendenziell mehr Richtwalzen als für dickeres Material. Erfahrungen zeigen, dass bei Teilerichtmaschinen mindestens 11 bis 13 Walzen nötig sind, um gute Toleranzen zu erreichen.

 

Das Blech ist nach dem Richten immer noch krumm – was kann man tun?

Hierfür gibt es drei mögliche Hauptursachen: Ist die Krümmungsrichtung des Blechteils die gleiche wie vor dem Richten, dann wurde die Richtmaschine am Einlauf zu schwach zugestellt. Das Blechteil wird als unterrichtet bezeichnet. Dies lässt sich mit einem weiteren Durchlauf mit einer stärkeren Zustellung am Einlauf der Richtmaschine beheben. Ist das Blechteil in die gegensätzliche Richtung wie vor dem Richten gekrümmt, dann wurde die Richtmaschine zu stark zugestellt. Das Blechteil wird dann als überrichtet bezeichnet. Als Gegenmaßnahme sollte der Bediener in diesem Fall überprüfen, ob der Auslaufwert der Blechdicke des Richtgutes entspricht und gegebenenfalls den Einlauf etwas schwächer zustellen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass das Blechteil auf der vorhandenen Richtmaschine nicht richtbar ist. Hier bleibt dem jeweiligen Unternehmen nur noch die Prüfung, ob das Material auf einer anderen Richtmaschine richtbar ist oder ob das Material überhaupt die geforderten Voraussetzungen zum Richten erfüllt.

Fachliteratur

Richten mit
Walzenrichtmaschinen

(4. Auflage)

hier erhältlich